EU CBAM: Was jeder Importeur vor der vollständigen Einführung wissen muss.

Der EU-CO₂-Grenzausgleichsmechanismus geht im Januar 2026 in die vollständige Durchsetzung. Wer Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel, Wasserstoff oder Elektrizität in die EU importiert, hat nun Melde- und finanzielle Verpflichtungen, die nicht ignoriert werden können.

SZViper Editorial Team
Industriekomplex mit dichtem Rauch aus Schornsteinen, Duisburg Deutschland
07 / VORSCHRIFTEN
Kernaussagen.
  • 01CBAM-Vollzug seit Januar 2026 — Übergangsberichterstattung endete Dezember 2025
  • 02Betroffene Sektoren: Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel, Wasserstoff, Elektrizität
  • 03Importeure müssen CBAM-Zertifikate entsprechend dem eingebetteten Kohlenstoff in Importen kaufen
  • 04Zertifikatspreis folgt dem EU-ETS-CO₂-Preis — derzeit etwa 55–65 € pro Tonne CO₂
  • 05Nichteinhaltung führt zu Strafen von 3× Zertifikatspreis plus möglicher Importaussetzung

Was ist CBAM?

Der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ist eine EU-Verordnung, die darauf abzielt, 'Carbon Leakage' zu verhindern — das Risiko, dass EU-Unternehmen die Produktion in Länder mit geringeren Klimaauflagen verlagern, um die Kosten des EU-Emissionshandelssystems (ETS) zu umgehen. Indem CBAM auf bestimmte in die EU importierte Waren aus Nicht-ETS-Ländern einen Kohlenstoffpreis erhebt, werden gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen.

Der Mechanismus trat im Oktober 2023 in eine Übergangsberichtsphase ein und wechselte am 1. Januar 2026 in die vollständige finanzielle Durchsetzung. Für Frachtimporteure, die physische Waren aus China oder anderen Nicht-EU-Ländern in den betroffenen Sektoren bewegen, ist dies nun eine aktive Compliance- und Kostenpflicht — kein zukünftiger Planungsposten.

Welche Waren sind betroffen?

CBAM gilt an den Grenzen der EU-Zollunion und deckt Waren in folgenden KN-Kapiteln (Kombinierte Nomenklatur) ab dem Jahr 2026 ab:

  • 01Eisen- und Stahlerzeugnisse (KN-Kapitel 72 und 73 — einschließlich Baustahl, Rohre und Draht)
  • 02Aluminium und Aluminiumerzeugnisse (KN-Kapitel 76)
  • 03Zement und Klinker (KN-Kapitel 25 und 69)
  • 04Düngemittel — speziell ammoniak- und salpetersäurebasierte Produkte (KN-Kapitel 31)
  • 05Wasserstoff (KN-Kapitel 28)
  • 06Elektrizitätsimporte (KN-Kapitel 27)
  • 07Nachgelagerte Produkte mit erheblichem eingebetteten Metallgehalt — Erweiterung für 2030 geplant

Wie der Mechanismus funktioniert

EU-Importeure — konkret autorisierte CBAM-Erklärende, was ab 2026 alle EU-ansässigen Importeure betroffener Waren bedeutet — müssen CBAM-Zertifikate von einer nationalen Behörde erwerben, um den in ihren Importen eingebetteten Kohlenstoff abzudecken. Der Preis eines CBAM-Zertifikats ist an den wöchentlichen Durchschnitts-Auktionspreis von EU-ETS-Zertifikaten gekoppelt.

Bei dem aktuellen EU-ETS-Preis von etwa 55–65 € pro Tonne CO₂-Äquivalent würde eine Sendung von 100 Tonnen Baustahl mit einer eingebetteten Kohlenstoffintensität von 1,8 tCO₂/Tonne Zertifikate im Wert von etwa 9.900–11.700 € erfordern. Die tatsächlichen Kosten hängen von der verifizierten Emissionsintensität ab, die der Lieferant meldet — weshalb die Erfassung von Kohlenstoffdaten der Lieferanten zu einer Logistik- und Beschaffungspriorität geworden ist.

Pflichten für Importeure

  • 01Registrierung als autorisierter CBAM-Erklärender bei der zuständigen nationalen Behörde (z.B. nutzt HMRC im Vereinigten Königreich einen eigenen parallelen Mechanismus; EU-ansässige Importeure nutzen ihre Mitgliedstaatsbehörde)
  • 02Verifizierte eingebettete Kohlenstoffdaten von chinesischen oder anderen Drittlandslieferanten sammeln — bei fehlenden Ist-Daten die EU-Standardwerte verwenden (Standardwerte sind in der Regel konservativ/hoch)
  • 03Jährliche CBAM-Erklärung bis zum 31. Mai für die Importe des Vorjahres einreichen
  • 04Ausreichende CBAM-Zertifikate kaufen und übergeben, um den deklarierten eingebetteten Kohlenstoff abzudecken
  • 05Belege 4 Jahre lang aufbewahren

Praktische Schritte für Lieferkettenteams

Die dringendste Maßnahme für Importeure betroffener Waren ist die Lieferanteneinbindung. Viele Stahl- und Aluminiumproduzenten sind nun mit CBAM vertraut und können Kohlenstoffintensitätserklärungen bereitstellen, doch die Qualität variiert erheblich. Spediteure und 3PLs mit China-seitiger Präsenz können bei der Lieferantenkommunikation und Dokumentensammlung unterstützen.

Für Unternehmen, die kleine Mengen betroffener Waren als Komponenten größerer Sendungen importieren (z.B. Aluminiumprofile als Verpackungs- oder Strukturelemente), kann die De-minimis-Schwelle (150 € intrinsischer Wert pro Sendung) einige Sendungen befreien — aber vor der Inanspruchnahme dieser Ausnahme ist eine auf Ihre Ware und Handelsstruktur zugeschnittene Rechtsberatung unerlässlich.

Es lohnt sich auch, die Gesamtkosten der CBAM-Zertifikate über Ihr Importprogramm hinweg zu modellieren, insbesondere wenn Sie für 2026–2027 budgetieren. Der EU-ETS-Preis hat in den letzten 18 Monaten zwischen 50 und 100 € gehandelt; bauen Sie Sensitivität in Ihre Modelle ein.

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Rechts- oder Compliance-Beratung dar. Konsultieren Sie einen qualifizierten Zoll- und Handels-Compliance-Spezialisten für eine auf Ihre Waren und Handelsstruktur zugeschnittene Beratung.

Häufig gestellte Fragen.

Q01
Was ist der EU CBAM?

Der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ist eine EU-Verordnung, die einen CO₂-Preis auf Importe bestimmter Waren aus Nicht-EU-Ländern erhebt. Er soll Carbon Leakage verhindern — die Verlagerung der Produktion in Länder mit schwächeren Emissionsregeln — und Wettbewerbsbedingungen für EU-Hersteller angleichen, die bereits den EU-ETS-CO₂-Preis zahlen.

Q02
Welche Produkte sind vom CBAM betroffen?

CBAM gilt für Eisen und Stahl (KN-Kapitel 72 und 73), Aluminium (KN 76), Zement und Klinker (KN 25 und 69), stickstoffbasierte Düngemittel (KN 31), Wasserstoff (KN 28) und Elektrizitätsimporte (KN 27). Die Abdeckung soll ab 2030 auf nachgelagerte Produkte mit erheblichem Metall-Gehalt erweitert werden.

Q03
Wie viel kostet ein CBAM-Zertifikat im Jahr 2026?

CBAM-Zertifikatspreise sind an den wöchentlichen Durchschnitts-Auktionspreis der EU-ETS-Zertifikate gekoppelt, derzeit 55–65 € pro Tonne CO₂-Äquivalent. Eine 100-Tonnen-Sendung Baustahl mit 1,8 tCO₂/Tonne eingebetteten Emissionen würde Zertifikate im Wert von etwa 9.900–11.700 € erfordern.

Q04
Wann begann die vollständige CBAM-Durchsetzung?

Die vollständige finanzielle CBAM-Durchsetzung begann am 1. Januar 2026. Die Übergangsphase mit reiner Berichterstattung lief von Oktober 2023 bis Dezember 2025. Autorisierte CBAM-Erklärende müssen jährliche Erklärungen bis zum 31. Mai für die Importe des Vorjahrs einreichen und entsprechende Zertifikate übergeben.

Q05
Sind geringwertige Sendungen vom CBAM ausgenommen?

Es gibt eine De-minimis-Ausnahme bei 150 € intrinsischem Wert pro Sendung, die kleine Sendungen ausschließen kann. Sendungswertschwellen werden jedoch streng interpretiert, und auf Ihre Waren und Handelsstruktur bezogene Rechtsberatung ist unerlässlich, bevor Sie sich auf die Ausnahme verlassen.

  • [01]EU Commission — Carbon Border Adjustment Mechanism official guidance
  • [02]Regulation (EU) 2023/956 — CBAM legislative text
  • [03]EU ETS weekly auction price data — EEX Leipzig
SZViper Editorial Team

Das interne Forschungsteam von SZViper beobachtet globale Handelsrouten, Frachtmärkte und regulatorische Änderungen, um Verladern handlungsrelevante Erkenntnisse zu liefern.

Tarife für die Strecke aus diesem Artikel?.

Sag uns Abgangsort, Ziel und Menge — Antwort mit echter Zahl innerhalb 1 Arbeitsstunde.

Tarife anfragen